Den Wellenstrang legen wir auf den Prüfling aus, vom schnell drehenden Pkw-Fahrmotor bis zum Schiffsantrieb.
Überblick
Was ein Traktionsmotor-Prüfstand leistet
Ein Traktionsmotor muss jahrelang Volllast, Hitze und ständige Lastwechsel aushalten. Ob er das kann, zeigt sich auf dem Prüfstand.
Wir bauen diese Prüfstände: für Fahrmotoren in Pkw und Nutzfahrzeugen und für Traktionsmotoren in Bahnen, Baumaschinen, Landmaschinen und Schiffen. Auf einem Traktionsmotor-Prüfstand läuft der Motor auf einem Maschinenbett unter realer Last. Eine Lastmaschine bremst ihn oder treibt ihn an, während Drehmoment, Drehzahl, elektrische Leistung und Temperaturen erfasst werden. So zeigen Kennlinie, Wirkungsgrad, Temperaturverhalten und Lebensdauer schon vor dem Einbau, was der Motor kann.
Große Antriebe sind unser Thema, weil hier alles zusammenkommt, was Prüfstandsbau anspruchsvoll macht:
Hohe Drehzahlen, große Drehmomente
Leistungen bis in den Megawattbereich
Rückspeisung und Back-to-Back-Betrieb halten Netzanschluss und Energiekosten im Rahmen.
Klimakammern mit hohem Wärmeeintrag
Der Motor gibt unter Last viel Wärme ab. Temperierte Luft und Medienkonditionierung halten die Prüfbedingungen stabil.
Dauerläufe über Tage
Die Software fährt Lastprofile automatisch und schützt Prüfling und Anlage über Grenzwerte
Lastmaschine, Umrichter, Messtechnik und Klimatechnik wählen wir herstellerunabhängig nach Ihrer Prüfaufgabe aus.
Einsatz
Wofür Prüfstände für Traktionsmotoren eingesetzt werden
Traktionsmotoren werden mit jeder Generation kompakter und leistungsstärker. Höhere Leistungsdichte heißt höhere Drehzahlen, mehr Wärme auf engem Raum und weniger Reserve bei Isolation und Lagerung. Ob ein Motor seine Daten über die geplante Lebensdauer hält, zeigt erst der Betrieb unter Last. Auf dem Prüfstand lässt sich dieser Betrieb gezielt und wiederholbar nachstellen.
Typische Fragen an den Prüfstand:
- Erreicht der Motor Kennlinie und Wirkungsgrad aus der Auslegung?
- Wie verhält er sich bei Hitze, Kälte und schnellen Temperaturwechseln?
- Ab welcher Last und nach welcher Zeit wird er zu heiß?
- Hält er das Lastkollektiv über die Lebensdauer aus?
- Arbeitet er mit Umrichter und Regelung fehlerfrei zusammen?
Prüfstände für Traktionsmotoren betreiben Fahrzeug- und Motorenhersteller, ihre Zulieferer, Entwicklungsdienstleister und Forschungseinrichtungen. Dazu kommen Instandhalter: In der Bahninstandhaltung werden überholte Antriebseinheiten vor dem Wiedereinbau auf dem Prüfstand kontrolliert.
Branchen
Prüfstände für Traktionsmotoren in Automotive, Bahn, Baumaschinen und Schifffahrt
Die Prüfstandstechnik für große Elektromotoren ist in allen Branchen sehr ähnlich. Maschinenbett, Wellenstrang, Lastmaschine, Umrichter, Messtechnik und Automatisierung folgen denselben Prinzipien. Unterschiede liegen in Leistung, Drehzahl und Drehmoment und in den Prüfvorschriften der jeweiligen Branche.
| Branche | Typische Prüflinge | Was den Prüfstand prägt |
|---|---|---|
| Automotive und Nutzfahrzeuge | Fahrmotoren, E-Achsen, Motor mit Umrichter | Hohe Drehzahlen, Batteriesimulation, Umweltsimulation mit Temperaturwechseln, Prüfprogramme nach Werknorm |
| Bahn | Fahrmotoren, Antriebseinheiten aus Motor, Getriebe und Welle | Hohe Drehmomente, Prüfung nach Revision, für umrichtergespeiste Fahrmotoren die DIN EN 60349-2 als Bezugsrahmen |
| Baumaschinen und Landtechnik | Fahr- und Arbeitsantriebe | Hohe Drehmomente |
| Schifffahrt | Propulsionsmotoren für Hybrid- und vollelektrische Schiffe | Leistungen bis in den Megawattbereich, mehrere Spannungsebenen (z. B. 400, 525 und 690 V), Back-to-Back-Betrieb |
Prüfarten
Typische Prüfungen für Traktionsmotoren
Die Prüfungen, die ein Prüfstand beherrschen muss, bestimmen seinen Aufbau. Die folgenden Prüfarten kommen bei Traktionsmotoren regelmäßig vor. Ablauf und Grenzwerte legt die jeweilige Norm, Werknorm oder Kundenspezifikation fest.
Charakterisierung und Entwicklung
- Kennlinien und Wirkungsgradkennfeld
- Drehmoment, Leistung und Wirkungsgrad über den gesamten Drehzahl- und Drehmomentbereich, motorisch und generatorisch. Grundlage für Auslegung und Datenblatt.
- Quellenspannung
- Der Prüfling ist vom Umrichter getrennt und wird von der Lastmaschine angetrieben. Gemessen wird die induzierte Spannung an den offenen Klemmen bei verschiedenen Drehzahlen.
- Kurzschlussprüfung
- Die Klemmen des Prüflings sind kurzgeschlossen, die Lastmaschine treibt ihn auf verschiedene Drehzahlen. Gemessen werden die Kurzschlussströme. Weil das Drehmoment dabei stark ansteigen kann, muss die Lastmaschine dafür ausgelegt sein.
- Thermische Grenzen und Derating
- Ab welcher Last und nach welcher Zeit erreicht der Motor seine Temperaturgrenzen? Viele Antriebe reduzieren dann ihre Leistung. Der Prüfstand zeigt, wann und wie stark.
- Regelungsvalidierung
- Motor, Umrichter und Steuergerät arbeiten mit realen Lastprofilen zusammen, Grenzfälle lassen sich gefahrlos anfahren. Mehr zu simulierten Umgebungen: HiL-Prüfstände
Dauerlauf und Betriebsarten
- Dauerlauf S1 bis zur Beharrung
- Konstante Drehzahl und Last, bis sich keine Temperatur mehr ändert. Dieser Erwärmungslauf dauert oft mehrere Stunden.
- Betriebsarten S1 bis S10
- Die EN 60034-1 definiert Betriebsarten vom Dauerbetrieb (S1) bis zum Betrieb mit einzelnen konstanten Belastungen (S10). Bei S6 wechselt die Last periodisch zwischen Belastung und Leerlauf. Die Lastmaschine muss dafür auch ein Drehmoment von null sauber regeln.
- Lastzyklen und Fahrprofile
- Gemessene oder synthetische Profile aus dem Fahrzeugbetrieb, im Zeitraffer gefahren. Mehr dazu: Dauerlaufprüfstände
- Überlastprüfung
- Definierte Überlast über eine begrenzte Zeit, etwa für Anfahr- oder Steigungsfälle.
Thermische Prüfungen und Umweltsimulation
- HTOE (High Temperature Operating Endurance), Hochtemperaturdauerlauf
- Der Motor läuft unter Last bei hoher Umgebungs- und Kühlmitteltemperatur. Die Prüfung bildet die thermische Belastung über die Lebensdauer beschleunigt nach und deckt temperaturbedingte Alterung auf.
- PTCE (Powered Thermal Cycling Endurance), Temperaturwechseldauerlauf
- Der Motor läuft unter Last, während Umgebungs- und Kühlmitteltemperatur zyklisch wechseln. Geprüft wird, wie Verbindungen, Isolation, Dichtungen und Gehäuse die thermomechanische Belastung aushalten.
- Kalt- und Heißbetrieb
- Funktion, Anlauf und Kennwerte bei tiefen und hohen Temperaturen, üblich bis −40 °C, tiefere Temperaturen auf Anfrage.
HTOE und PTCE stammen aus der Automobilentwicklung und sind unter anderem in Werknormen der Fahrzeughersteller beschrieben. Temperaturen, Zyklenzahl und Laufzeit kommen aus der jeweiligen Spezifikation. Die passende Klimatechnik finden Sie auf unserer Seite: Umweltsimulation
Mechanische Prüfungen
- Schleuderprüfung
- Der Motor läuft ohne Last mit erhöhter Drehzahl, zum Beispiel dem 1,2-Fachen der Nenndrehzahl. Geprüft wird, ob der Rotor der Fliehkraft standhält. Körperschall und Schwingungen werden mitgemessen.
- NVH
- Geräusch, Schwingungen und Körperschall über Drehzahl und Last, etwa zur Analyse elektromagnetisch angeregter Ordnungen.
Qualitäts- und End-of-Line-Prüfung
- Typprüfung
- Einmalige, umfangreiche Prüfung eines Motortyps zum Nachweis der Auslegungsdaten.
- Stückprüfung
- Kurze Prüfung jedes gefertigten oder überholten Motors.
- End-of-Line-Prüfung
- Stückprüfung am Ende von Fertigung oder Instandsetzung, mit kurzer Taktzeit und automatischer Gut-schlecht-Bewertung. Mehr dazu: EOL-Prüfstände
- Isolations- und Teilentladungsprüfung
- Lässt sich auf Wunsch in den Prüfablauf integrieren.
Viele dieser Prüfungen laufen auch an kompletten Antriebseinheiten, etwa an Bahnantrieben aus Motor, Getriebe und Welle oder an E-Achsen. Für die Prüfung von Getrieben allein gibt es eigene Getriebeprüfstände.
Aufbau
Aufbau eines Prüfstands für Elektromotoren
Ein Prüfstand für Traktionsmotoren besteht aus Modulen, die wir je Prüfaufgabe auslegen und kombinieren. Der Aufbau reicht vom einzelnen Motor bis zur kompletten Antriebseinheit. Er lässt sich später erweitern, wenn Platz, Leistung und Schnittstellen von Anfang an dafür vorgesehen sind.
Maschinenbett und Fundament
Das Maschinenbett trägt Prüfling, Wellenstrang und Lastmaschine. Es bestimmt, wie gut der Prüfstand Schwingungen aufnimmt. Bei hohen Drehzahlen muss seine Eigenfrequenz deutlich über der Anregung aus dem Betrieb liegen, sonst verfälschen Resonanzen die Messung und belasten Lager und Kupplungen. Aufspannplatten mit T-Nuten nehmen unterschiedliche Prüflinge auf, ohne dass das Bett umgebaut werden muss.
Je nach Anforderung kommen Grauguss, Stahl, Mineralguss oder Hybridkonstruktionen infrage, über Luftfedern oder Stahlfederelemente vom Gebäude entkoppelt. Welcher Unterbau zu welcher Prüfaufgabe passt, beschreibt unser Wissensartikel Prüfstandsunterbauten.
Wellenstrang: Adaption, Kupplung und Drehmomentmessung
Zwischen Prüfling und Lastmaschine sitzen Adapterflansch, Kupplungen und eine Drehmomentmesswelle. Wie die Mechanik ausgelegt wird, hängt stark vom Prüfling ab. Pkw-Fahrmotoren drehen heute bis etwa 20.000 min⁻¹, neue Generationen bereits über 30.000 min⁻¹. Schiffs- und Bahnantriebe arbeiten dagegen mit sehr hohen Drehmomenten bei deutlich niedrigeren Drehzahlen. Entsprechend unterschiedlich fallen Lagerung, Kupplungen und Messwelle aus. Der gesamte Strang wird ausgerichtet und gewuchtet. Für hohe Drehzahlen legen wir ihn rotordynamisch so aus, dass er unterhalb der ersten Biegeeigenfrequenz läuft.
Führt die Welle durch die Wand einer Temperaturkammer, braucht die Durchführung eine eigene Lösung für Abdichtung und Lagerung. Dafür haben wir mehrere bewährte Ausführungen, die wir je nach Drehzahl und Temperaturbereich einsetzen.
Lastmaschine und Back-to-Back
Die Lastmaschine bremst oder treibt den Prüfling. Dafür arbeitet sie im 4-Quadranten-Betrieb: motorisch und generatorisch in beiden Drehrichtungen. So lassen sich Fahrprofile mit Beschleunigung und Rekuperation nachfahren. Die Energie, die der Prüfling erzeugt, speist die Lastmaschine über ihren Umrichter zurück.
Beim Back-to-Back-Prüfstand werden zwei gleiche Motoren mechanisch gekoppelt. Einer arbeitet als Prüfling, der andere als Last, und die Rollen lassen sich per Software tauschen. Hängen beide Umrichter an einem gemeinsamen Gleichspannungs-Zwischenkreis, fließt die Leistung im Kreis. Aus dem Netz kommt dann nur die Verlustleistung. Bei Motoren im Megawattbereich senkt das den nötigen Netzanschluss und die Energiekosten erheblich. Voraussetzung sind zwei baugleiche Motoren. Für einzelne Prüflinge bleibt die eigene Lastmaschine die Lösung. Unsere Spezialisten bringen Erfahrung aus zahlreichen Back-to-Back-Aufbauten mit.
Umrichter und Batteriesimulation
Den Prüfling speist entweder der Umrichter des Kunden, etwa der Serienumrichter des Fahrzeugs, oder ein zugekaufter Industrieumrichter, den wir in den Prüfstand integrieren. Umrichter und Spannungsebene legen wir nach dem größten Prüfling aus. Für eine gute Drehmomentregelung darf der kleinste Motor aber nicht zu klein für den Umrichter sein: Als Faustregel sollte sein Nennstrom nicht unter etwa einem Sechstel des Umrichter-Nennstroms liegen.
Im Fahrzeug hängt der Umrichter an der Traktionsbatterie. Auf dem Prüfstand ersetzt eine rückspeisefähige DC-Quelle die Batterie. Dieser Batteriesimulator stellt Spannung und Innenwiderstand reproduzierbar ein, auch Ladezustände und Spannungseinbrüche, die mit einer echten Batterie kaum wiederholbar wären. Wo kein Batteriesystem nachgebildet werden muss, wie bei vielen Bahnantrieben, versorgt ein Einspeisemodul den Zwischenkreis aus dem Netz.
Klimakammer und Medienkonditionierung
Für thermische Prüfungen steht der Motor in einer Temperaturkammer. Ein Traktionsmotor gibt unter Last viel Wärme ab, deshalb hält die Kammer allein die Temperatur nicht stabil. Temperierte Luft aus einer externen Klimaanlage wird gezielt durch den Prüfraum geführt, damit der Prüfling gleichmäßig umströmt wird. Üblich sind Kammern bis -40 °C, tiefere Temperaturen sind auf Anfrage möglich. Die Kammer braucht außerdem Durchführungen für Welle, Kühlmittelschläuche, Messleitungen und Motorkabel. Passende Klimakammern liefern wir über unseren Bereich Umweltsimulation.
Motor und Umrichter werden meist mit einem Wasser-Glykol-Gemisch gekühlt, viele neue Motoren auch mit Öl. Die Medienkonditionierung bringt diese Kühlmittel auf definierte Temperaturen, Drücke und Durchflüsse, damit Prüfungen reproduzierbar bleiben. Dazu mischt sie gekühltes und erwärmtes Medium über ein Regelventil auf die Zieltemperatur, mit Regelgenauigkeiten besser als 0,1 K. Bei Kältetests wird Öl sehr zähflüssig. Die Pumpen müssen es auch bei -40 °C noch zuverlässig umwälzen. Wir legen die Konditionierung für jeden Prüfstand selbst aus und integrieren sie passend zur Einbausituation, etwa platzsparend unter dem Gitterboden des Prüfraums.
Messtechnik
Gemessen werden Drehmoment und Drehzahl an der Welle, Ströme, Spannungen und elektrische Leistung am Motor und am Umrichter, dazu Temperaturen, Drücke, Durchflüsse und Schwingungen. Für den Wirkungsgrad braucht es einen Leistungsanalysator, der die pulsweitenmodulierten Größen am Umrichterausgang genau genug erfasst.
Die Messtechnik wählen wir herstellerunabhängig und führen alle Kanäle in einer gemeinsamen Datenbasis zusammen. Daten aus verschiedenen Systemen müssen dann nicht nachträglich zusammengeführt werden.
Sicherheit
Ein großer Motor speichert bei hoher Drehzahl viel Bewegungsenergie, dazu kommen Hochvolt und hohe Ströme. Zum Sicherheitskonzept gehören Berstschutz und Einhausung, Not-Halt, Stillstandsüberwachung, Zugangskontrolle zum Prüfraum und der Schutz spannungsführender Teile. Grundlage sind die europäischen Vorschriften, die beim Inverkehrbringen der Anlage gelten.
Software
Automatisierung und fertige Prüfprogramme
Die Software legt fest, wie effizient ein Prüfstand im Alltag arbeitet. Wir programmieren Steuerung und Bedienung so, dass Prüfabläufe automatisch laufen und Grenzwerte Prüfling und Anlage schützen. Mehr dazu: Prüfstandsautomatisierung
Im Handbetrieb gibt der Bediener Sollwerte wie Drehzahl, Drehmoment oder Zwischenkreisspannung direkt vor, etwa bei der Inbetriebnahme oder der Fehlersuche. Im Automatikbetrieb hat jede Prüfung eine eigene Oberfläche. Der Bediener trägt die Parameter ein, lädt ein Lastprofil, zum Beispiel aus einer Excel-Tabelle, und startet die Prüfung. Weitergeschaltet wird nach Zeit oder nach Bedingung, etwa sobald die Temperaturen konstant sind. Soll- und Istwerte laufen während der Prüfung als Kurven mit und werden gespeichert.
Eigene Auswertung oder fertige Prüfprogramme
Einfache Prüfabläufe und Auswertungen setzen wir direkt in unserer Prüfstandssoftware um. Verlangt ein Projekt standardisierte Prüfarten, binden wir eine Prüfsoftware mit fertigen Prüfprogrammen ein, zum Beispiel imx OMEGA der imx Solutions GmbH. Sie bringt rund 15 Prüfarten mit, dazu Motorverwaltung, Überwachung und Berichtswesen. Bei aktiven Prüfarten wird der Motor bestromt und belastet, bei passiven schleppt ihn die Lastmaschine unbestromt. Beispiele:
- Kennlinienmessung
- Drehmoment, Leistung, Verluste und Wirkungsgrad, statisch oder dynamisch gemessen, etwa für Datenblatt und Ansteuerstrategie.
- Flusstabelle
- Magnetischer Fluss in d- und q-Richtung über viele Lastpunkte. Grundlage für Wirkungsgrad und Verluste bei permanenterregten Synchronmotoren.
- Drehmomentwelligkeit
- Schwankungen des Drehmoments bei konstanter Drehzahl, nach Betrag und Frequenz ausgewertet.
- Betriebstemperaturen
- Erwärmung abhängig vom Nutzungsprofil, als Basis für Dauerbelastbarkeit und Lebensdauer.
- Generatorspannung
- Induzierte Spannung über dem Rotorwinkel. Abweichungen deuten auf Fehler in Wicklung, Magneten oder Luftspalt.
- Strangwiderstand und Induktivität
- Symmetrie der Wicklung und winkelabhängige Induktivität über eine Umdrehung.
- Rast- und Schleppmoment
- Rastmoment bei sehr langsamem Schleppen, Schleppmoment über der Drehzahl, etwa als Hinweis auf Lagerschäden oder schleifende Teile.
- Encoderprüfung
- Abgleich des Gebersignals mit einem Referenzgeber, um Winkelversatz zwischen Rotor und Stator zu erkennen.
Dazu kommt die Parameteridentifikation imx PI, die Motorparameter ohne Lastmaschine bestimmt.
Modernisierung
Neubau oder Retrofit
Nicht jede neue Prüfaufgabe braucht einen neuen Prüfstand. Maschinenbett, Lastmaschine und Kammer eines bestehenden Motorprüfstands sind oft in gutem Zustand, während Steuerung, Umrichter oder Messtechnik veraltet sind oder für neue Prüflinge nicht reichen. Dann lohnt ein Retrofit. Wir nehmen den Bestand auf, prüfen, was übernommen werden kann, und modernisieren gezielt. Je nach Zustand der Anlage sind Einsparungen von bis zu 50 Prozent und mehr gegenüber einem Neubau erreichbar. Mehr dazu: Retrofit und Modernisierung
Alstom · Servicezentrum Netphen · 2025/26
Übrigens: Alstom prüft in Netphen Antriebseinheiten aus der Revision von Drehgestellen. Der bestehende Antriebsprüfstand war für Einheiten mit integriertem Motor ausgelegt. Für die Plattformen Talent und Vectron, deren Antriebseinheiten ohne Motor angeliefert werden, haben wir ihn um einen Schaltschrank mit Frequenzumrichter, Bremswiderstand und eigener SPS erweitert. Ein Umrichter versorgt die Hilfsmotoren beider Prüfgestelle abwechselnd, die Parameter schalten automatisch um. Die Bedienung blieb für das Personal unverändert. Ausgelegt ist der Prüfstand für rund 1.100 Antriebseinheiten pro Jahr.
Vorgehen
Vom Lastenheft zur Inbetriebnahme
Ein Prüfstandsprojekt beginnt mit der Prüfaufgabe, nicht mit der Komponentenliste. Fehlt noch eine vollständige Spezifikation, erarbeiten wir sie gemeinsam: als Lösungsskizze in ein bis fünf Tagen oder als anbieterneutrales Lastenheft. Danach folgen Pflichtenheft, Konstruktion, Aufbau, Inbetriebnahme und Abnahme.
Engineering, Steuerungs- und Regelungstechnik, Software und Systemintegration liegen bei uns. Partner liefern definierte Fachgebiete wie Maschinenbetten unter unserer Projektverantwortung.
FAQ
Häufige Fragen zu Prüfständen für Traktionsmotoren
Ein Traktionsmotor-Prüfstand ist eine Prüfanlage für elektrische Antriebsmotoren von Fahrzeugen, Bahnen, Arbeitsmaschinen und Schiffen. Der Motor wird auf einem Maschinenbett mit einer Lastmaschine gekoppelt und unter definierten Drehzahlen, Lasten und Temperaturen betrieben. Gemessen werden Drehmoment, Drehzahl, elektrische Größen und Temperaturen.
Ja. Beide Begriffe bezeichnen den Elektromotor, der ein Fahrzeug antreibt. „Fahrmotor“ ist vor allem im Bahnbereich üblich, „Traktionsmotor“ in der Elektromobilität und als Übersetzung des englischen „traction motor“.
Typisch sind Kennlinien- und Wirkungsgradmessungen, Dauerläufe in den Betriebsarten nach EN 60034-1, thermische Prüfungen wie HTOE und PTCE, Schleuder- und Kurzschlussprüfungen sowie End-of-Line-Prüfungen. Welche davon nötig sind, hängt davon ab, ob in der Entwicklung, in der Fertigung oder nach einer Instandsetzung geprüft wird.
HTOE steht für High Temperature Operating Endurance, einen Dauerlauf unter Last bei hoher Temperatur. PTCE steht für Powered Thermal Cycling Endurance, einen Dauerlauf unter Last bei zyklisch wechselnder Temperatur. Beide Prüfungen stammen aus der Automobilentwicklung und bilden die thermische Belastung über die Lebensdauer im Zeitraffer nach.
Bei einem Back-to-Back-Prüfstand treiben sich zwei mechanisch gekoppelte, baugleiche Motoren gegenseitig an, einer als Prüfling, einer als Last. Sind die Umrichter über einen gemeinsamen Zwischenkreis verbunden, muss das Netz nur die Verluste decken. Das lohnt sich vor allem bei großen Leistungen und wenn ohnehin zwei gleiche Motoren zur Verfügung stehen.
Im Fahrzeug versorgt die Traktionsbatterie den Umrichter. Ein Batteriesimulator ersetzt sie auf dem Prüfstand und stellt Spannung, Innenwiderstand und Ladezustand reproduzierbar ein. So lassen sich Prüfungen bei jeder Batteriespannung wiederholen, ohne eine echte Batterie zu laden, zu entladen oder zu belasten.
Ja. Der Prüfstand nimmt dann statt des Motors die komplette Antriebseinheit auf, etwa einen Bahnantrieb aus Motor, Getriebe und Welle oder eine E-Achse. Lastmaschine, Drehmomentmessung und Adaption werden dafür auf die Abtriebsseite ausgelegt, wo die Drehzahl niedriger und das Drehmoment höher ist.
In vielen Fällen ja. Wir nehmen den Bestand auf und prüfen, welche Teile weiterverwendet werden können, häufig Maschinenbett und Mechanik. Steuerung, Umrichter, Messtechnik und Software werden dann gezielt erneuert oder ergänzt.
Prüfstand für Traktionsmotoren planen
Beschreiben Sie uns Prüfling und Prüfaufgabe. Wir melden uns mit einer ersten Einschätzung zu Aufbau, Prüfarten und der Frage Neubau oder Retrofit.