Verkehrsbetriebe Zürich setzen auf TMX-Bremswegmesssystem
Wie die VBZ mit dem TMX-BrakeTest-System über 230 Tramfahrzeuge standardisiert prüfen.
Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) gehören zu den grössten kommunalen Verkehrsunternehmen der Schweiz. Mit über 2.800 Mitarbeitenden befördern sie jährlich mehr als 300 Millionen Fahrgäste – das Rückgrat bilden 15 Tram-Linien mit ca. 250 Schienenfahrzeugen, die jährlich über 14,4 Millionen Kilometer zurücklegen. Bei diesem Betriebsumfang ist die regelmässige, normgerechte Überprüfung der Bremssysteme ein zentraler Baustein der Fahrzeugsicherheit.
Rund 500 Bremsproben pro Jahr – verteilt auf vier Standorte
In ihren drei Depots und in der Zentralwerkstatt führen die VBZ jährlich ca. 500 Bremsproben an ihren Tramfahrzeugen durch. Diese Bremswegmessungen sind nach umfassenden Instandhaltungsmassnahmen ebenso vorgeschrieben wie im Rahmen der laufenden Qualitätssicherung.
Um diese Messungen weiter zu optimieren, suchten die VBZ ein neues, einheitliches Bremswegmesssystem für alle Standorte. Das übergeordnete Ziel: eine Vereinheitlichung der Messverfahren und Messgeräte – mit der notwendigen Genauigkeit, Normkonformität gemäss den Vorgaben des Bundesamts für Verkehr (BAV) und gleichzeitig der Flexibilität für individuelle Anpassungen, insbesondere für tiefergehende Analysen in der Zentralwerkstatt.
Klare Anforderungen an Technik und Software
Die VBZ definierten sowohl technische als auch softwareseitige Anforderungen an das neue System. Auf der Hardware-Seite stand eine präzise Sensortechnologie im Fokus, die zuverlässig bei verschiedenen Witterungsbedingungen und Untergründen funktioniert, sich einfach montieren und demontieren lässt und über eine mobile, robuste Datenerfassung im transportablen Koffer verfügt – inklusive Akkubetrieb ohne externe Stromversorgung.
Auf der Software-Seite war Plattformunabhängigkeit entscheidend: Die Lösung sollte auf Windows, iOS und Android laufen. Dazu kamen Anforderungen an die Abdeckung aller normrelevanten Messungen gemäss BAV, die Flexibilität für eigene Messszenarien mit individuellen Grenzwerten sowie eine automatische Dokumentation und Berichterstellung auf Knopfdruck.
Michael Fink, verantwortlich für die Depots, fasste die Anforderungen zusammen: Man brauche eine Lösung, auf die man sich verlassen könne – bei jedem Wetter, auf jedem Untergrund und an jedem Fahrzeugtyp. Und sie müsse so intuitiv sein, dass sich die Techniker auf die Messung konzentrieren können, nicht auf die Bedienung.
Philipp Humbel, Qualitäts- und Systemtechniker in der Zentralwerkstatt, ergänzte: Neben einer standardisierten Lösung für die Normprüfungen in den Depots brauche man auch die Flexibilität für umfassendere Analysen in der Qualitätssicherung – mit der Möglichkeit, eigene Messszenarien zu definieren und dabei die Normkonformität sicherzustellen.
Die Lösung: TMX-BrakeTest-System mit OMS-Sensor
Die VBZ entschieden sich für eine Komplettlösung: den optischen Sensor OMS 4 von Sensoric Solutions gekoppelt mit dem TMX-BrakeTest-System, bestehend aus einem kompakten Messkoffer mit Datenerfassung und der BrakeTest-App.
Der OMS 4 ist ein optisch-inertialer Wegsensor mit einer Messgenauigkeit von 0,1 Prozent, der unabhängig von Satellitenempfang arbeitet. Verschiedene mitgelieferte Halterungen – Magnet- und Saugnapfhalter – ermöglichen die flexible Montage an unterschiedlichen Positionen: seitlich am Führerstand per Saugnapfhalter oder geschützt unter dem Fahrzeug per Magnethalter.
Der TMX-Messkoffer vereint die gesamte Datenerfassung in einem robusten, mobilen Gehäuse. Der integrierte Akku ermöglicht den Betrieb ohne externe Stromversorgung, und nach dem Einschalten ist das System binnen Sekunden einsatzbereit. Die Verbindung zu den Endgeräten erfolgt kabellos per WLAN.
Die TMX-BrakeTest-App läuft plattformunabhängig auf Windows, iOS und Android und bietet eine Vorlagenverwaltung für Fahrzeuge und Bremswegmessungen. Einmal erstellte Vorlagen für spezifische Fahrzeugtypen oder Prüfszenarien können einfach ausgewählt werden. Die Software führt dann Schritt für Schritt durch die gesamte Prüfung – von der Messung mit Live-Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit über die automatische Ergebnisbewertung anhand definierter Grenzwerte bis zur PDF-Berichterstellung.
Kundenspezifische Anpassungen für die VBZ
Für die VBZ wurden Hardware und Software gezielt angepasst. Die Triggereingänge wurden variabel ausgelegt, so dass sie zwischen 24 und 80 Volt arbeiten und alle vorkommenden Triggerspannungen abdecken. Die Software-Vorlagen wurden an die spezifischen Anforderungen bezüglich Geschwindigkeit, Bremsweg und Bremsverzögerung angepasst. Weitere Anpassungen umfassten unter anderem ein Online-Kurvenfenster für die Live-Darstellung der Messdaten, einen Handtrigger als Alternative zur automatischen Triggererkennung, VBZ-spezifische Metadaten in der Datenerfassung und ein PDF-Layout in der Corporate Identity der VBZ.
Von der Montage bis zur Abnahme in vier Stunden
Am 17. Dezember 2025 fand die Inbetriebnahme auf dem Gelände der Zentralwerkstatt statt. Die praktische Einweisung begann mit der Sensor-Montage und dem Hardware-Setup, gefolgt von der Software-Einführung auf den iPads der VBZ-Mitarbeitenden. Anschliessend übernahmen die VBZ-Techniker selbst: Sie führten verschiedene vordefinierte Bremswegmessungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bremsarten durch, legten eigene Messszenarien mit individuellen Grenzwerten an und testeten verschiedene Montagepositionen des Sensors.
Als finaler Test wurde ein PDF-Report erstellt und direkt vom iPad per E-Mail ins Büro gesendet – zur Dokumentation und Ablage im SAP-System. Um 11:45 Uhr war die Inbetriebnahme erfolgreich abgeschlossen.
Acht einheitliche Systeme für alle Standorte
Insgesamt verfügen die VBZ heute über acht einheitliche TMX-Bremswegmesssysteme – je zwei für jedes der drei Depots und zwei für die Zentralwerkstatt.
Der wichtigste Punkt für die VBZ ist die Gleichstellung der Messverfahren und Messgeräte in den Depots und in der Zentralwerkstatt – mit einheitlichen Messabläufen und konsistenten Messergebnissen. Darüber hinaus profitieren die VBZ von der Präzision und Zuverlässigkeit des optischen Sensors, der unkomplizierten Montage, der intuitiven Bedienung per iPad mit Live-Geschwindigkeitsanzeige, der automatischen PDF-Berichterstellung mit direkter Versendung per E-Mail sowie der Flexibilität für eigene Messszenarien in der Qualitätssicherung.
Stimmen aus der Praxis
Philipp Humbel, Qualitäts- und Systemtechniker der VBZ Zentralwerkstatt, hebt die Kombination aus Präzision und Flexibilität hervor: Der optische Sensor liefere die Zuverlässigkeit für normgerechte Messungen unabhängig von Witterung oder Umgebung, während die Software die Freiheit biete, eigene Messszenarien zu entwickeln. Für die Qualitätssicherung sei das genau die richtige Balance zwischen Normkonformität und Anpassungsfähigkeit.
Michael Fink, Leiter Instandhaltung Tram bei den VBZ, betont die schnelle Akzeptanz im Team: Die Bedienung per iPad sei intuitiv, die Live-Visualisierung mache die Arbeit einfacher und sicherer. Besonders die automatische Berichterstellung spare viel Zeit – vom Test bis zur Dokumentation im SAP-System sei es jetzt ein durchgängiger, effizienter Prozess.
Bericht zum Download
Lesen Sie den vollständigen Referenzbericht über das VBZ-Projekt mit allen technischen Details und Bildern als PDF:
Weitere Informationen
Ausführliche Informationen über das TMX-BrakeTest-System finden Sie unter: