Bremswegmessung an Straßenbahnen: Verfahren, Normen, Praxis
Was nach BOStrab und den Technischen Regeln Bremsen gemessen wird, wann geprüft werden muss und wie die Werte belastbar dokumentiert werden.
Was ist eine Bremswegmessung nach BOStrab?
Eine Bremswegmessung erfasst den Bremsweg - nach BOStrab den Anhalteweg - eines Schienenfahrzeugs, also die Strecke vom Einleiten der Bremsung bis zum Stillstand, und bestimmt daraus die mittlere Bremsverzögerung. Für Straßenbahnen und die weiteren unter die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BOStrab) fallenden Bahnen weist sie nach, dass die Bremsleistung den Grenzwerten der BOStrab und der zugehörigen Technischen Regeln Bremsen (TR Br) entspricht; die TR Br bezeichnet sie auch als Bremswegprüfung. Den Regelfall bildet die wiederkehrende Prüfung in der Instandhaltung; hinzu kommt die Messung bei der Inbetriebnahme neuer oder wesentlich geänderter Fahrzeuge.
Im öffentlichen Nahverkehr zählt die regelmäßige Bremsenprüfung zu den Kernaufgaben der Verkehrsbetriebe; sie gewährleistet Sicherheit und Regelkonformität im Fahrbetrieb. Über diesen betrieblichen Nachweis hinaus dienen die Messdaten nach einem Unfall als Grundlage für die Klärung der Schuldfrage.
Wann ist eine Bremswegmessung an Straßenbahnen vorgeschrieben?
Der Regelfall in den Verkehrsbetrieben ist die wiederkehrende Prüfung im Rahmen der Instandhaltung. Nach § 57 BOStrab gehören zur Instandhaltung Wartung, Inspektionen und Instandsetzung; die Inspektionen sind planmäßig wiederkehrend in festen Fristen durchzuführen. Bremsmessungen fallen dabei insbesondere nach Eingriffen in die Bremsausrüstung und nach Beanstandungen des Bremsvermögens an. Zusätzlich ist ein Fahrzeug nach einem Unfall zu prüfen, wenn sicherheitsrelevante Teile beschädigt wurden. Die konkreten Fristen legt das Verkehrsunternehmen nach Bauart und Belastung der Fahrzeuge fest.
Seltener, aber ebenfalls vorgeschrieben ist die Messung bei der Inbetriebnahme neuer oder wesentlich geänderter Fahrzeuge. Sie brauchen vor dem Einsatz eine Inbetriebnahmegenehmigung der Technischen Aufsichtsbehörde (§ 62 BOStrab); den technischen Bremsnachweis darin regelt die TR Br über die Typprüfung (erstes Fahrzeug einer Serie) und die Stückprüfung (jedes weitere Fahrzeug der Serie).
Die TR Br gibt vor, wie oft zu bremsen ist: bei der Typprüfung mindestens dreimal je Bremsung erfolgreich, bei der Stückprüfung mindestens zweimal, jeweils auf geradem, ebenem Gleis.
Welche Bremsungen und Geschwindigkeiten werden geprüft?
Geprüft werden die sicherheitsrelevanten Bremsungsarten, die die BOStrab und die TR Br unterscheiden - darunter die Betriebsbremsung, die Gefahrbremsung und die Fahrgast-Notbremsung. Werden dieselben Bremssysteme in derselben Kombination bei mehreren Bremsungsarten eingesetzt, genügt die Bremswegprüfung bei der Bremsungsart mit der höchsten Anforderung; die übrigen werden per Funktionsprüfung abgedeckt.
Die Ausgangsgeschwindigkeiten sind nicht fest vorgegeben, sondern leiten sich vom Fahrzeug ab: geprüft wird bei einem Drittel und bei zwei Dritteln der bauartbedingt zulässigen Höchstgeschwindigkeit
Beispiel: Bei einem Fahrzeug mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit sind das rund 27 und 53 km/h. Bei der Betriebs- und der Gefahrbremsung kommt in der Typprüfung zusätzlich der volle Wert hinzu: im Beispiel also 80 km/h, bei der Gefahrbremsung jedoch begrenzt auf maximal 70 km/h. Die Ausgangsgeschwindigkeit ist mit einer Toleranz von ±5 km/h einzuhalten.
Gemessen wird auf geradem, ebenem Gleis im Netz des Verkehrsunternehmens. Aus dem Anhalteweg berechnet sich die mittlere Bremsverzögerung, die je nach Bremsungsart und Ausgangsgeschwindigkeit die Grenzwerte der BOStrab einhalten muss.
Herausforderungen in der Praxis
Trotz ihrer sicherheitsrelevanten Bedeutung stehen Verkehrsbetriebe bei der Bremswegmessung vor erheblichen Herausforderungen. Viele der heute eingesetzten Technologien - etwa Schleppräder, Radar, GPS oder fahrzeugintegrierte Systeme - gelten als ungenau, unzuverlässig, aufwendig oder nicht mehr zeitgemäß. Insbesondere bei den zuginternen Bremsmesssystemen rückt dabei eine Frage in den Fokus, die bislang uneinheitlich beantwortet wird: Welche Anforderungen muss die Messtechnik selbst erfüllen - vor allem hinsichtlich Kalibrierung und nachvollziehbarer, rückführbarer Messwerte?
Eine bundesweit einheitliche Regelung besteht dazu nicht; einzelne Aufsichtsbehörden sehen hier ausdrücklich Klärungsbedarf. Aus Sicht der Beweissicherheit spricht vieles dafür, auf unabhängig kalibrierbare Systeme zu setzen. Hinzu kommt, dass die Erfassung, Dokumentation und Auswertung der Bremsdaten in vielen Betrieben noch manuell erfolgt. Ein aufwendiger Prozess, der Ressourcen bindet, fehleranfällig ist und die Prüfzeiten verlängert. Angesichts steigender Anforderungen an Effizienz, Nachvollziehbarkeit und Prüfdokumentation braucht es moderne, digitale Lösungen, die präzise Messdaten liefern und sich einfach in bestehende Abläufe integrieren lassen.
Die TMX-Lösung
TMX hat ein neues Bremswegmesssystem entwickelt, das diese Herausforderungen direkt adressiert. Bestehend aus einem optischen Sensor, einer robusten und mobilen Datenerfassung im Messkoffer und einer intuitiven App, bietet es eine zukunftsweisende Alternative zu bisherigen Systemen.
Optischer Sensor für Weg und Geschwindigkeit
Die Grundlage der Lösung bildet ein optisch-inertialer Sensor, der Geschwindigkeit und Weg berührungslos und schlupffrei misst. Mit einer Genauigkeit von unter 0,1 % und konsistenter Reproduzierbarkeit liefert er eine verlässliche Datenbasis für präzise Bremswegmessungen - auch unter anspruchsvollen Strecken-, Umgebungs- und Wetterbedingungen. Da der Sensor weder auf Radar noch GPS-Empfang angewiesen ist, misst er selbst in Tunneln und Hallen sowie bei Regen, Eis und Schnee und liefert zuverlässig präzise Messdaten.
Die Montage ist flexibel über Saugnapf- oder Magnethalterungen möglich, während der Anschluss mit nur einem Kabel für Stromversorgung und Daten eine schnelle Einsatzbereitschaft gewährleistet.
Datenerfassung im mobilen Messkoffer
Die Sensordaten werden über ein kompaktes und robustes Datenerfassungssystem (DAQ) erfasst, das in einem tragbaren, stoßfesten Koffer untergebracht ist. Der Messkoffer überzeugt durch sein flexibles Anschlusspanel, an das Sensor und Bremstrigger direkt angeschlossen werden. Verschiedene Versorgungsspannungen (24V, 110V, 230V) machen das System universell einsetzbar.
Ein integriertes Akkupack sorgt für eine autarke Energieversorgung über mehrere Stunden und bietet maximale Flexibilität bei mobilen Anwendungen. Dank der integrierten WLAN-Anbindung und dem Messkoffer gehört Kabelsalat der Vergangenheit an.
App-gesteuerte Prüfung und Prüfbericht
Ein besonderes Highlight der Lösung ist die App-basierte Software. Sie ermöglicht nicht nur die intuitive Bedienung via Tablet oder Smartphone, sondern bietet auch umfassende Funktionen zur Fahrzeug- und Prüfverwaltung. In der Fahrzeugverwaltung können Fahrzeuge mit internen Nummern angelegt, Grenzwerte hinterlegt und spezifische Prüfabläufe definiert werden. Prüfabläufe lassen sich für unterschiedliche Szenarien anlegen – von vollständigen Bremswegtests nach BOStrab bis hin zu spezifischen Tests einzelner Bremsarten wie Gefahrenbremsungen (siehe Bild - links). Während der Messung erhalten Fahrer und Prüfer über die Echtzeit-Anzeige wichtige Informationen, wie z. B. den richtigen Geschwindigkeitsbereich (Siehe Bild - Mitte). Mehrere Geräte können gleichzeitig verwendet werden, um Fahrer und Prüfer parallel zu unterstützen. Nach der Bremsung erfolgt sofort die Berechnung der Ergebnisse (siehe Bild - rechts), und am Ende steht ein fälschungssicherer Prüfbericht im PDF-Format.
Warum sind unabhängige, nachvollziehbare Messdaten wichtig?
Nach einem Unfall wird die Bremsleistung zum Beweisthema. Wie schnell war das Fahrzeug, wie lang war der Anhalteweg, hat die Bremse normgerecht verzögert - diese Fragen entscheiden über die Klärung der Verantwortung. Belastbar sind sie nur, wenn die Messdaten unabhängig erfasst und nachträglich nicht veränderbar sind.
Aus demselben Grund verlangt die wiederkehrende Prüfung eine lückenlose Dokumentation. Ein Prüfbericht, der Fahrzeug, Datum, Geschwindigkeit, Anhalteweg und Verzögerung eindeutig zusammenführt und gegen nachträgliche Änderung geschützt ist, macht jede Messung später überprüfbar - gegenüber der Technischen Aufsichtsbehörde ebenso wie im Streitfall.
Das TMX-BrakeTest-System erfasst diese Werte über einen kalibrierten optischen Sensor und erstellt daraus einen fälschungssicheren Prüfbericht im PDF-Format. So liegt für jede Messung ein nachvollziehbarer Nachweis vor – im Regelbetrieb der Instandhaltung wie im Ausnahmefall nach einem Unfall.
Bremswegmessung in ihrem Betrieb
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